Annika Schäfer
Ein Zine über weibliche* Körperbehaarung & das Verlernen
von Scham
SCHAM_HAARE
Schönheitsnormen
Ausgangs-punkt
Ich entferne meine Körperhaare bereits seit 10 Jahren. Lange war ich überzeugt, dass ich das einfach schöner finde. Irgendwann begann ich mich zu fragen: Ist das wirklich meine eigene Meinung oder wurde mir beigebracht, weibliche* Körperhaare als eklig und unästhetisch wahrzunehmen?
Obwohl Körperhaare zu fast jedem erwachsenen weiblichen* Körper gehören, sind sie im Alltag kaum sichtbar. Über 90 % der Frauen in westlichen Ländern entfernen sie regelmäßig.
Irgendwann verstand ich, dass diese Schönheitsnorm gesellschaftlich geprägt ist. Das Problem war nur:
Die Scham blieb.
Aus dieser Erfahrung entstand das Zine SCHAM_HAARE.
Konzept
Körperscham ist gelernt und deshalb auch verlernbar.
Das Projekt untersucht, warum viele Frauen* sich für etwas so Natürliches schämen und vor allem wie wir diese Scham wieder loswerden.
Das Zine verbindet persönliche Erfahrungen, wissenschaftliche Recherche und ein Selbstexperiment.
Ein zentraler Aspekt ist dabei Sichtbarkeit: Wenn weibliche Körperhaare fast unsichtbar werden, wirkt ihre Sichtbarkeit schnell wie eine Abweichung. Mehr Sichtbarkeit kann dazu beitragen, Körperbehaarung wieder als das wahrzunehmen, was sie ist: etwas Normales.
Schönheits-normen
Nach Appiah entstehen soziale Identitäten durch gesellschaftliche Kategorien und die Bedeutungen, die ihnen zugeschrieben werden. Vorstellungen davon, was als weiblich, gepflegt oder attraktiv gilt, beeinflussen nicht nur, wie wir andere Menschen lesen, sondern auch den Blick auf den eigenen Körper.
Das Projekt untersucht, wie solche Vorstellungen verinnerlicht werden und warum es so schwer ist, sich ihnen zu entziehen. Gleichzeitig fragt es danach, wie Sichtbarkeit helfen kann, diese Prägungen kritisch zu hinterfragen.
Gestaltung
Das Gestaltungskonzept basiert auf dem Spannungsfeld zwischen Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit. Weibliche Körperhaare gehören zu fast jedem Körper, bleiben im Alltag jedoch weitgehend unsichtbar.
Diese Dynamik greift das Zine gestalterisch auf. Inhalte werden verdeckt, durchscheinend gemacht oder erst beim genaueren Hinsehen sichtbar. Gleichzeitig arbeite ich fotografisch mit sehr intimen Nahaufnahmen von Haut und Körperbehaarung.
Die wiederkehrenden Augen stehen für die Blicke anderer und das Gefühl, beobachtet und bewertet zu werden. Haare durchbrechen das Layout und entziehen sich einerseits dem Wunsch nach vollständiger Kontrolle und machen gleichzeitig Haare sichtbar.
Alle Texte, Fotografien und Layouts stammen von mir.
für die Titel. Die Schrift hat einen starken eigenen Charakter. Sie versucht nicht perfekt zu sein und darf Ecken und Kanten haben. Das passt gut zum Zine, das gesellschaftliche Normen hinterfragt, statt sich ihnen anzupassen.
für Unterüberschriften. Sie schafft einen Kontrast zu den Hauptüberschriften.
für Fließtexte. Sie wurde speziell für eine hohe Lesbarkeit entwickelt und unterstützt das längere Lesen, ohne sich gestalterisch in den Vordergrund zu drängen.
für Zitate, weil sie durch ihren handschriftlichen Charakter persönlich wirkt.
Erkenntnis
Die Scham verschwindet nicht durch Wissen allein.
Das Zine versteht Sichtbarkeit als einen ersten Schritt, gesellschaftliche Normen zu hinterfragen und einen selbstbestimmteren Umgang mit dem eigenen Körper zu entwickeln.
Es möchte dazu einladen, den eigenen Umgang mit Körperhaaren und Körperscham bewusst zu reflektieren und die Entscheidung für oder gegen Körperhaarentfernung nicht aus Scham, sondern aus Überzeugung zu treffen.








